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Freitag, 14. Oktober 2011

Mysterium Berghain von nahem

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Berghain, der legendäre Elektroschuppen an der Grenze von Friedrichshain und Kreuzberg, gilt bei vielen als einer der besten Clubs der Welt, berüchtigt auch wegen der Menge an Gerüchten und Geschichten, die um ihn kreisen: Dekadenz, Hedonismus, geheime Dark Rooms, Kameraverbot - und eine sehr wählerische Türpolitik.

Wir nahmen uns an diesem Freitag derjenigen an, denen die Tür zum Club diese Nacht verschlossen blieb - um ihre Geschichten zu hören, in denen sie ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung Luft machten, oder zu erfahren, wie manche das Ganze locker und mit Humor nahmen und sich von dem Club ihre Feierlaune nicht verderben ließen - oder sich gar ein drittes Mal anstellten. Besonders interessierten uns aber auch ihre Theorien zu den Gründen, aus denen sie ihrer Meinung nach nicht reingelassen wurden.

Dabei bekam eigentlich niemand von den Türstehern einen direkten Grund dafür geliefert, nicht ins Berghain zu dürfen - aber jeder der Partygänger hatte unterschiedliche Ideen, woran es liegen könnte.
Viele konnten wir gar nicht fragen, weil uns zirka alle zehn Minuten eine Welle von Leuten entgegen strömte, die an den Türstehern abgeprallt waren. Viele sagten auch nicht viel, weil sie sich auf das erhoffte Erlebnis im Berghein so viel einbildeten, dass ihnen der Misserfolg peinlich war.
Die ersten beiden Jungs, mit denen wir sprachen, glaubten, sie waren einfach zu jung und zogen ohne weiteres Murren wieder ab. Ein paar andere waren aber besser drauf und erzählten uns etwas mehr.

Ran and Oz


Für Ran und Oz sollte die Nacht im Berghain eine neue Erfahrung werden; sie waren noch nie zuvor da. Nur einmal, vor zwei Stunden , um 10 Uhr, hatten sie es bereits versucht, da war der Club aber noch nicht geöffnet. Umso größer war dann die Enttäuschung, als sie nach zweistündigem Warten bis Mitternacht von den Türstehern abgewiesen wurden. Immerhin hatten sie nun zum Trost ein nettes Gespräch mit uns - aber erklären konnten sie es sich und uns nicht - nicht einmal betrunken seien sie, war das einzige, was ihnen dazu noch einfiel.

Drei Unbekannte und ein Haufen Teenies


Die drei nächsten Frauen, die wir ansprachen, waren zu enttäuscht, um mit uns zu reden oder sich fotografieren zu lassen. Eine von ihnen brachte nur heraus:
 I feel like shit, big shit. It’s so sad, I really wanted to get in.
Die darauf folgende Truppe jüngerer Besucher war ähnlich wenig gesprächig - und kam dabei aber zu einer ganz anderen Schlussfolgerung:
 Berghain is a shit place.

Naima, Suzana, Stefania


Die nächsten drei Mädels waren nicht nur auffällig schick gemacht - sie konnten auch wunderbar über sich selbst schmunzeln. So teilten sie uns - erst verärgert und schließlich lachend - mit, dass sie sich von den Türstehern als „aufgebrezelte Tussis“ regelrecht ausgelacht fühlten. Ein nächstes Mal werden sie erst wiederkommen, witzelten sie, wenn sie sich drei Tage nicht geduscht und gekämmt haben. Nur so hat man hier Chancen, ist ihr Fazit.

Anonymer Informant


Ein anonymer Informant, der öfter vor Ort ist - aber mit seinem Geschäft vorm Berghain unerkannt bleiben möchte - erzählte uns in den Wartepausen einige schöne Geschichten über das Feiern im Berghain und das Frieren vor seinen Türen und ließ uns an einer ganz anderen Theorie teilhaben: Seiner Meinung nach werden vor allem große Gruppen nicht gern rein gelassen, weil der Club daran interessiert ist, dass sich die Leute im Club nicht in Grüppchen isolieren, sondern zu einer großen Partycrowd verschmelzen. Außerdem mögen die Türsteher kreative Leute, die sich was einfallen lassen - verrät er - oder einfach eine gute Mischung netter Menschen.

Daniel and Henrique


Ganz nett waren aber auch die beiden Jungs aus Brasilien, mit denen wir anschließend sprachen. Wie sie erzählten, waren sie nur auf Urlaubsbesuch in Berlin und hatten zuvor von einem befreundeten DJ in São Paulo erfahren, dass sie das Berghain keinesfalls verpassen dürfen.

Man sieht es ihren gut gelaunten Gesichtern kaum an, aber sie hatten es bereits zwei Mal an diesem Abend in den Club versucht. Ihre einzige Erklärung für die Ablehnung, die wir in unsere Liste von Argumenten dankbar aufnahmen, war:
The bouncer is a piece of shit.
Tapfer und verzweifelt-motiviert wie sie nach dem Gespräch mit uns waren, stellten sie sich schließlich noch ein drittes Mal an. Wir konnten leider nicht herausfinden, was aus ihnen geworden ist. Bitte schreibt uns doch, wenn ihr das hier lest!

Martina and Camilla


Zwei weitere Mädels, um die es dem Club echt schade sein müsste, waren Martina und Camilla aus der italienischsprachigen Schweiz. In Deutsch und Englisch erzählten sie uns ziemlich überzeugt, dass sie sicher abgelehnt worden sind, weil dass Berghain keine Frauen (mehr) reinlassen will. Bereits vor ihnen sei eine Traube von Frauen weggeschickt worden, obwohl die gar „besser aussahen“, wie sie meinten. Wir witzelten und lachten noch ein paar Runden mit ihnen und empfahlen sie dann in einen anderen netten Club um die Ecke an der Jannowitzbrücke.

Es scheint für manche Leute - vor allem jene, die es nicht so locker nehmen - unfair zu sein, nicht in den Club gelassen zu werden, vor dem sie in Erwartung einer ganz besonderen Nacht Stunden anstanden. Aber vielleicht ist es genau das - nur das? -, was das Mysterium Berghain ausmacht.

Nächsten Monat besuchen wir einen anderen Club, um diese andere Seite des Berliner Nachtlebens weiter zu erkunden - die uns vielleicht noch besser verstehen lässt, wie unsere Stadt so gestrickt ist.

von Mia Leifsdotter & Sabryna Trzysze
 
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